Hochsensibel & wählerisch beim Essen – Erfahrungen aus dem Alltag mit Kindern
- Claudia Probst
- 12. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Apr.
Ich teile hier meine Erfahrungen, weil ich daran gewachsen bin. Und weil ich heute andere Eltern damit unterstützen möchte, ihren eigenen Weg ein bisschen leichter zu sehen.
Essen kann so einfach wirken und gleichzeitig so herausfordernd sein.
Gerade bei einem hochsensiblen Kind zeigt sich das oft auch beim Essen. Manche Kinder essen nur ganz bestimmte Lebensmittel und alles andere wird abgelehnt.
Wieso?
Weil sie Geschmäcker intensiver wahrnehmen, Texturen anders fühlen und ihr Nervensystem schneller reagiert.
Meine eigene Geschichte
Selber habe ich erst mit bald 40 Jahren das erste Mal von Neurodivergenz gehört und als ich dann einen Test gemacht habe, wurde mir vieles klar.
Plötzlich hat so vieles Sinn gemacht.
Ich dachte lange, ich bin falsch. Ich bin nicht genug. Ich bin einfach anders.
Ich selbst bin hochsensibel – vielleicht sogar in einer sehr ausgeprägten Form.
Ich nehme viel wahr. Oft zwischen den Zeilen.
Und genau das zeigt sich auch im Alltag.
Nun zurück zum Thema Essen.
Ich war als Kind extrem heikel.
Ich habe gefühlt von Teigwaren und Maggi gelebt (kennst du Maggi? 😊). Salat und Gemüse gab es kaum und wenn, dann habe ich es nicht gegessen.
Ein Zvieri, wie man ihn heute kennt, gab es bei uns nicht. Es war einfach eine andere Zeit.
Fleisch mochte ich noch nie. Schon als Baby habe ich den Fleischbrei verweigert und das hat sich bis heute nicht geändert.
Entwicklung ist möglich
Im Erwachsenenalter hat sich etwas verändert.
Ich habe angefangen, vielfältiger zu essen. Auszuprobieren. Neues zuzulassen.
Heute esse ich eigentlich alles ausser Fleisch.
Und wenn ich zurückschaue, wird mir klar: Entwicklung passiert.
Oft nicht unter Druck, sondern dann, wenn Raum da ist.
Zwei (oder drei) Teller – zwei Welten
Wenn ich heute unseren Alltag anschaue, sehe ich genau das wieder.
Mein Teller: Alles gemischt. Farben, Geschmäcker, alles zusammen.
Der Teller meiner Tochter: Alles getrennt. Klar. Strukturiert. Die Lebensmittel dürfen sich nicht berühren.

Für viele Eltern wirkt das wie wählerisches Essen. Für mich gehört es oft zur Neurodivergenz im Familienalltag dazu.
Und dann ist da noch der grosse Bruder.
Auch er ist heikel, aber auf seine eigene Art. Bei ihm sind es andere Themen, andere Vorlieben, andere Grenzen. Und gleichzeitig sehe ich: Mit dem Alter entsteht oft mehr Flexibilität. Nicht überall, nicht perfekt, aber Schritt für Schritt.
Was auf dem Tisch steht
Und trotzdem: Auf dem Tisch steht viel.
Kernemischung. Hummus. Selbstgemachter Bärlauchpesto. Tomatensauce. Reibkäse. Pasta. Fleischbällchen. Gekochtes Ei. Salat. Gemüse. Es hat von allem etwas.
Meine Tochter nimmt sich daraus, was für sie passt. Und vieles bleibt eben auch einfach stehen.
Was ich gelernt habe
Je mehr Druck ich mache, desto schwieriger wird es.
Je mehr ich akzeptiere, was gerade ist, desto mehr Bewegung kommt rein.
Das heisst nicht, dass alles egal ist. Im Gegenteil.
Ernährung ist wichtig. Für unsere Gesundheit. Für unser Nervensystem. Für unser ganzes System.
Aber der Weg dahin darf unterschiedlich aussehen.
Wird es sich verändern?
Ja, höchstwahrscheinlich wird es besser.
Nicht sofort. Nicht linear. Aber mit der Zeit. Ich bin das beste Beispiel dafür.
Manches bleibt gleich. Manches verändert sich plötzlich und manches ganz langsam.
Und dann sind da diese kleinen Momente.
Heute beim Abendessen hat unsere Tochter plötzlich gesagt: „Das ist auch lecker.“
So unscheinbar und gleichzeitig so gross.
Genau solche Momente zeigen mir: Es bewegt sich etwas.
In ihrem Tempo. Auf ihre Art.
Fortschritte sehen bei jedem Kind anders aus und sie brauchen Zeit.
Es hilft, nicht zu vergleichen. Nicht mit anderen Kindern. Nicht mit dem, was „normal“ scheint.
Denn von aussen wird oft schnell verglichen. Manche verstehen es nicht. Manche kommentieren.
Wir als Eltern dürfen unseren eigenen Weg gehen und unsere Kinder genau so begleiten, wie sie es brauchen.
Für alle Eltern
Ihr seid nicht allein.
Kinder, die sensibel wahrnehmen, funktionieren oft auch beim Essen anders.
Besonders bei Kindern, die nur bestimmte Lebensmittel essen, braucht es Zeit, Vertrauen und einen eigenen Weg.
Vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt:
Es ist, wie es ist und trotzdem darf sich alles entwickeln.
Und du musst diesen Weg nicht alleine gehen.
Ein kleiner Impuls zum Schluss
Eine wöchentliche Menüplanung kann vieles leichter machen.
Kinder können sich auf das Essen vorbereiten. Sie wissen, was kommt und sie dürfen mitentscheiden.
Das nimmt Druck raus und schafft oft mehr Offenheit für Neues.
👉 Im nächsten Blogartikel teile ich ganz konkrete Tipps dazu – Dinge, die uns im Alltag wirklich helfen.


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